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Für die einen ist es ein undurchsichtiger männlicher Zeitvertreib, der eigentlich nur in Gangsterfilmen vorkommt. Die Zutaten: Hinterzimmer, gut aussehende, aber zwielichtige Gestalten und der Rauch von Zigarillos. Für die anderen ist es eine elegante und elitäre Sportart, die höchste Konzentration und Präzision fordert. Kaum ein Sport dürfte ein größeres Spektrum aufweisen, wenn es um sein Image geht. Das macht ihn so interessant. Worum geht es? Die Rede ist von Billard.

Bislang weiß niemand ganz genau, wann, wo und wie Billard entstanden ist. Es gibt allerdings Vermutungen und die weisen entweder nach England oder Frankreich, wenn es um die Geburtsstätte von Billard geht. Die eine Theorie geht davon aus, dass es in der Mitte des 16. Jahrhunderts in England einen Pfandleiher namens Bill Kew (sprich: „kju“). Der gute Mann soll die Angewohnheit gehabt haben, in seinem Büro Bälle auf dem Boden hin- und herzuschlagen. Natürlich tat er das zielgerichtet, sonst wäre es ja lediglich Aggression und nicht etwa eine Herausforderung gewesen. Als Schlaginstrument benutzte er angeblich ein Yard. Das war zu jener Zeit ein Messinstrument aus Holz. Nimmt man nun den Vornamen Bill und das Schlaginstrument Yard zusammen, dann kommt phonetisch durchaus so etwas wie Billard heraus. Unser Pfandleiher könnte sogar noch für die spätere Bezeichnung des Schlaginstruments, dem Queue, als Namensgeber fungiert haben. Dazu spricht man einfach seinen Familiennamen mit französischem Akzent aus.

Apropos Frankreich. Das ist das Land, in das die zweite Entstehungstheorie von Billard weist. Gestützt wird die Theorie unter anderem dadurch, dass das französische Wort für Kugel „Bille“ heißt. Beiden Theorien gemeinsam ist, dass Billard mit anderen Ballspielen wie Cricket und Golf verwandt ist. Auch dabei wird ja im weitesten Sinne mit einem Gegenstand nach einem Ball geschlagen und der Ball wiederum soll möglichst nah an einem vorher bestimmten Ziel ankommen.

Alle diese Vorformen vom Billard, die teilweise bereits aus dem frühen 14. Jahrhundert datieren, wurden im Freien gespielt – je nach Gesellschaftsklasse konnte das eine gepflegte Wiese oder einfach nur ein Acker sein. Mit dem meist schlechten Wetter hatten aber arm, und reich unterschiedslos zu kämpfen. Was lag da näher, als Varianten vom Billard zu ersinnen, die man ins Haus verlagern konnte? Freilich, „indoor“ war für Billard in aller Regel viel weniger Platz als draußen vorhanden. Also musste das Billard miniaturisiert werden. Das ging schließlich so weit, dass ein Tisch als Spielfläche auszureichen hatte. Es gilt übrigens als relativ sicher, dass es der französische König Ludwig XI. war, der um 1470 den ersten Spezialtisch für das Billard, so wie wir heute Billardtische kennen, von einem Kunstschreiner erwarb. Die Vorläufermodelle dürften dagegen deutlich weniger elegant gewesen sein. So soll Billard zunächst ganz schlicht auf einer flachen Tischplatte gespielt worden sein. Weil die Bälle natürlich dauernd herunterfielen kamen schnell Seitenleisten hinzu. Die Spieler dachten sich auch allerhand zusätzliche Schwierigkeiten aus. Es wurden Bögen und unterschiedliche Hindernisse auf dem Tisch platziert, um das Zielen zu erschweren. Irgendwann gab es dann beim Billard auch die ersten Löcher, die zunächst als Fallgruben für die Bälle gedacht waren.

Billard verbreitete sich zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert rasant in ganz Europa. Die Ursache dafür war, dass die europäischen Königshäuser und der Hochadel ihr Herz dafür entdeckt hatten. So soll zum Beispiel die schottische Königin Maria Stuart, die später auf Betreiben ihrer Cousine Königin Elisabeth I. von England enthauptet wurde, sich mit Billard die langen Nächte im Norden der britischen Insel verkürzt haben. Auch dem französischen König Karl IX. soll ein ausgesprochener Freund von Billard gewesen sein.

Was den gekrönten Häuptern Recht war, sollte den niedrigeren Gesellschaftsschichten bald nur allzu billig sein. Es dauerte nicht lange und ganz Europa war mit sogenannten Ballhäusern überzogen in denen eifrigst Billard gespielt wurde. Es waren dann übrigens die Spanier, die das Billard nach Amerika exportierten. Sie hatten auf ihren Entdeckungstouren durch die Weltmeere oft einen Billardtisch mit an Bord.

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